Von der Wollust stummen Speichelns

Von der Wollust stummen Speichelns

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Tiefe Freund- und Liebschaften zeichnet neben dem miteinander Reden, auch die hohe Kunst des miteinander Schweigenkönnens aus. So sagt der weise Volksmund, der um eine Antwort für die wichtigen Dinge des Lebens nie verlegen ist. Wäre der Volksmund allerdings ein wenig mehr weiblich und mit dominanten Zügen außergewöhnlicher Neigungen gesegnet, er würde des Öfteren auch vom Charme einseitigen Schweigens erzählen.

Ja, meine Herren, Sie ahnen richtig. Ich spreche unverhohlen und mit freier Zunge von Hartgummibällen, die die ihrige lähmen. Von hübschem, buntem Spielzeug, dem üblicherweise hechelnde Hunde hinterher springen, begeistert vom Auftrag, sie ihrem Frauchen zurückzubringen. Ich spreche davon, dass sie es lieben, eben solch einen Ball zwischen die gepflegten Zahnreihen geschoben und per Lederriemen hinter dem Kopf geschlossen zu bekommen, um hinter scharfem Gummigeruch an etwas gänzlich anderes, als Automobile und ihre perfekte Bereifung zu denken.

Wobei „denken“ möglicherweise eine missverständliche Bezeichnung für einen Zustand ist, in dem man …. Sie entschuldigen, wenn ich es so deutlich sage … ein ziemlich dummes Gesicht sein eigen nennt. Auch wenn der erste, kurze Würgereflex überwunden ist und Dank geübtem, tiefem Atmen, eine Aussöhnung mit den wortfreien Gegebenheiten erreicht wurde, – Sie bleiben dennoch der „Hund“, der trotz angenehmen Schweigens, nicht unerheblich Arbeit macht.

Denken Sie doch nur einmal an Ihren Speichel.
Der einfach nicht in Ihrem Mund verbleiben möchte, sondern sich langsam in Ihrem Unterkiefer aufstaut und zu einer unkoordinierbar großen Masse an Flüssigkeit wird, die unaufhaltsam zu langen Speichelfäden mutiert. Speichelfäden sind nicht schön. Wer um alles in der Welt, mag schon Speichelfäden? Dennoch ergießen sie sich nach gar nicht allzu langer Zeit über Ihre Lippen, rinnen das Kinn hinunter und tropfen schließlich hörbar aufs saubere Parkett. Zumindest, wenn Sie – wie man es erwarten dürfte – auf diesem knien. Kopf und Blick leicht gesenkt, Arme auf dem Rücken, die Beine etwas gespreizt – dann tropft er hörbar. Sie wissen das, – sie kennen Ihren Speichel hinter dem Knebel. Nicht wahr?

Eine nette Übung, um diesem hündischen Speicheln etwas mehr Sinn zu verleihen, wäre, wenn sie ihm kreative Gestalt verleihen würden. Sie könnten beispielsweise den Namen Ihrer Liebsten auf den Boden tropfen. Lesbar bitte, und für Fortgeschrittene in Spiegelschrift, damit auch die mentale Herausforderung nicht zu kurz kommt. Mir würde das gefallen. Ihnen nicht?

Nein? Nun, dann wäre ein Tuchfesselung vielleicht das Richtige für Ihren verwöhnten Anspruch. Tuchfesselungen saugen auf und vermeiden das unschöne Tropfen für eine gewisse Zeit. Ich möchte Ihnen aber nicht vorenthalten, dass dadurch die Stoffmasse in Ihrem Mund gehörig zunimmt. Sie quillt regelrecht auf, was das Atmen nicht unbedingt erleichtert. Seide wäre eine Option für softe Einsteiger, an Frottee könnten sich die Hardliner versuchen, es soll aber auch Männer geben, die sich – von äußerst praktischer Frauenhand geführt – im Geschirrtuch verbissen wiedergefunden haben. Ja, verbissen. Halten sie sich nicht unnötig beim Geschirrtuch auf. Der Vorteil von Tuchfesselungen ist, dass es sich wunderbar auf diesen herumkauen lässt. Sie denken noch an Ihre vierbeinigen Freunde auf der Hundewiese, nicht wahr?

Oder träumen Sie lieber von wirklich bösen Knebeln? An solche, bei denen der Gummigeschmack nur noch durch stete Verengung des Mundraumes getoppt wird? Dann, wenn Ihre Göttin vor Ihnen sitzt und genüsslich mit zarter Hand eine Pumpe betätigt, um ganz langsam, Druck für Druck, ihre Zunge mit einem Ballon zu überlagern, der sich letztendlich direkt an Ihren Gaumen schmiegt?
Wobei nun „schmiegen“, vielleicht etwas harmlos für einen Zustand klingt, der einem alle Luft zum Atmen nimmt, bei dem sich die Nasenlöcher blähen müssen, und die Augen proportional zum Munddruck eine schier unglaubliche Größe erreichen? Sie haben Recht. Dieser Anblick erinnert weniger an einen Hund. Er hat etwas fischig/froschiges. Ein bisschen von „Blubb“ und „Quak“.

Dann vielleicht lieber einen Knebel mit Öffnung. Oja, auch die gibt es. Was auf den ersten Blick fast Entspannung verspricht, hat aber ebenfalls seine kleinen Raffinessen zu bieten. Ein weit geöffneter, durch Ring oder Spange gespreizter Mund, lädt zur Befüllung ein. Das ist so, da wird Frau machtlos. Möglicherweise geraten Sie an eine Raucherin, die einen adäquaten Platz zum Abschnippen Ihrer Zigarettenasche sucht. Mit ein wenig Glück „küsst“ die Dame so, wie Sie es sich seit 1001 Nacht ersehnen und füllt Ihren — übrigens nun strohtrockenen – Mund mit dem Speichel ihres eigenen.

Vielleicht führt Ihr Penis-Knebel aber auch in einen Schlauch. Dies würden Sie sich zumindest wünschen, wenn gleichzeitig Ihre Nase verschlossen ist. Sie glauben gar nicht, wie glücklich Sie dann über diesen Schlauch — und die Sekunden sind, in denen er nicht zugehalten, oder geknickt wird. Sauerstoff ist es etwas wunderbares, nicht wahr? Und wenn wir nun ans Ende dieses Schlauches möglicherweise noch einen Trichter setzen wollen,  dann wäre meine dringende Empfehlung an Sie : nicht zu denken, sondern anzunehmen was kommt, und kontinuierlich zu schlucken, bis die Quelle versiegt….

Bin ich Ihnen ein wenig zu „böse“ heute? Nun, dann wehren Sie sich doch. Wir wissen alle, dass Knebel zwar „wortlos“, in den meisten Fällen aber deshalb noch lange nicht „stumm“ machen. Es sei Ihnen also unbenommen, mir all Ihre mögliche Gegenwehr entgegen zu murmeln. Auch wenn Sie den Konsonanten enthoben wurden, kann ich mir ja vielleicht Ihre Vokale zu hübschen Äußerungen zusammensetzen. Möglicherweise verstehe ich Sie miss und deute Ihr Gestammel als Aufforderung zum Weitermachen. Aber das kommt in den best gemeintesten Spielmomenten vor und muss ja nicht überbewertet werden.

Vielleicht werden Sie aber auch einfach freiwillig still. Gänzlich stumm. So stumm, dass man nur noch das Tropfen der Speichelfäden auf den Boden hört. Und dann schenken Sie mir statt vieler Worte Ihren Blick. Denn wenn ich es mir recht überlege, dann ist das Schönste am Knebel, der Blick in die Augen darüber.

Herzlichst, Miss Kink


Selbstverständlich führen wir Knebel für Männer und Frauen gleichermaßen. Eine Auswahl ist in unserem Online-Shop zu finden, ein Produkt-Artikel zu unseren Empfehlungen möglichst einfacher und gut einsetzbarer Knebel, folgt in den nächsten Tagen.

"MISS KINK" - Unter diesem Namen veröffentlicht die Hamburger Autorin Candy Bukowski für die Boutique Bizarre. Sie ist unsere Kolumnistin für Lust- & Fetisch-Themen. Wenn sie Schweres leicht und Leichtes gewichtig präsentiert, liegt dies vermutlich an ihrem nicht auszutreibenden Augenzwinkern. Es empfiehlt sich, sie hier nicht zu ernst, aber auch niemals zu oberflächlich zu nehmen.
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