Sextoys für Männer Vol.1: Ein Plädoyer von Mimi Erhardt

Sextoys für Männer Vol.1: Ein Plädoyer von Mimi Erhardt

Die Frau auf meinem Bildschirm schreit „Mmmmyassyassyass“, während sie sich einen pinken Vibrator in die Muschi schiebt. Und ihn rauszieht. Und wieder reinschiebt. Gefällt ihr wohl. Ich x-e den Tab und denke mir, dass wir Frauen in Sachen Selbstbefriedigung enorm aufgeholt haben. Als Teenager in den Neunzigern hätte ich mir noch eher mein rechtes Bein mit einem stumpfen Messer selbst amputiert, als zuzugegeben, dass ich es mir hin und wieder selbst besorge. Heute dagegen ist frau ohne repräsentatives Dildo- und Vibratoren-Arsenal fast schon out. Wir haben Spaß daran, uns selbst anzufassen und keine Scheu mehr, das anderen mitzuteilen.

Und die Männer? Was ist mit denen?

Dass die sich den lieben, langen Tag einen von der Palme wedeln würden, wenn sie nur könnten, wissen wir. Also so meine Erfahrung. Und oh, verdammt, wie sehr habe ich die Jungs seit jeher um ihre Offenheit und ihr Selbstverständnis in Sachen Sich-mal-schön-einen-runterholen beneidet. Und wünschte mir, dass die Welt um mich herum mit weiblicher Masturbation genauso entspannt umginge wie mit der männlichen Selbstliebe.

Doch die Männer haben ihre Onanier-Hoheit verloren. Wenigstens dann, wenn Sextoys involviert sind. Über Spielzeuge für Mädchen sprechen ALLE. Weil unsere Toys so hübsch bunt und lustig geformt sind und die Werbung dafür immer ein wenig an die Reklame für den RTL-Chat wirkt, findet niemand sie mehr schmuddelig.

Werft aber mal in einer geselligen Runde das Thema „Sextoys für Männer“ in den Raum. Die Reaktionen kann ich euch voraussagen. Alle werden ein wenig die Nasen rümpfen und verlegen auf ihre Füße schauen. Dann sagen die Männer, dass sie sowas noch nie benutzt haben und es auch nicht zu tun gedenken, und die Mädchen kichern und sagen: „Hihi, wie jetzt, so eine Truckermuschi? Iiiieeeh!“ Vielleicht bringt noch einer die Geschichte von der Badewanne voll Hack, in die mal jemand … ach, lassen wir das.

Was ich sagen will: Spielzeuge für Männer sind ein Tabu. Noch immer. Und ich frage mich: Warum finden wir es sweet und sexy, wenn wir Girls uns phallische Gegenstände in die Vagina schieben, schreien aber angeekelt auf, wenn der Mann seinen Phallus in einem unserer Pussy ähnlichen Kunst-Loch versenkt? Für beide Seiten des Spielfelds hat die Erotik-Industrie passende Toys kreiert, und ich finde, BEIDES sollte gefeiert werden.

Nur: Mit was macht MANN es sich denn heute selbst? Ein selbstgebohrtes Glory Hole in der Bügelzimmer-Rigips-Wand? Aua. Eine Sexpuppe aus dem Erotikfachhandel? Oder doch die Badewanne voll Hack? Viel zu umständlich. Einige wirklich aufregende und dazu noch gut designte Toys für Männer bietet der Hersteller TENGA. Vom Anfänger-Sex-Werkzeug zum Profi-Tool, eure Wahl. Da ich ein Freund praktischer Service-Tipps bin und das ätherische Geschwafel gern anderen überlasse, lasst mich euch drei Spielzeuge vorstellen. Nur für euch, Jungs.

DIE EGG SERIE

DAS Einsteiger-Toy. Auch, wenn mein erster Gedanke war: Wie soll der Mann denn DA seinen Penis reinstecken? Au contraire: In diese Plastik-Eier wird nichts reingesteckt. Man holt etwas aus ihnen heraus. Und zwar einen Sex-Hut. Eine elastische Hülle mit – je nach Ausgabe – unterschiedlicher Innenstruktur, die Mann sich auf den Schwanz setzen und dann damit onanieren kann. Mega.

DIE AIR-TECH SERIE

Das wohl klassischste Toy des Herstellers, wenn man das denn bei so viel High-Tech sagen kann. Die Vacuum Cups ähneln der gemeinen Flesh Light, ja, der guten, alten Taschenmuschi. Das Prinzip ist simpel: Mann steckt seinen Schwanz in die Dose, und dann gib ihm, rein, raus, drehen. Noch mehr Saugspaß gibt es durch die so genannte Air-Flow-Struktur. Wie die genau funktioniert, ist mir Technik-Doofie zu kompliziert. Wichtig ist nur: Es funktioniert irre. Ich war dabei.

DER FLIP ZERO

Wow. Dickes Ding, und ehrlich gesagt: Ohne Anleitung nicht unbedingt auf den ersten Blick zu checken. Aber wir haben Zeit. Der Flip Zero ist der Tesla unter den Jungs-Sexspielzeugen: Modernste Technologie für deinen Penis, von null auf JIZZ in drei Sekunden. Aufgeklappt, erinnert dieses erotische Hilfsmittel zwar an den Schlund eines Aliens aus der gleichnamigen Filmsaga, aber mm-mm-mmm! Die Innenstruktur mag visuell gewöhnungsbedürftig sein, sorgt aber für eine echt intensive Stimulation. Dazu gibt es ein Vakuum, das euch aber so richtig … puh, ihr versteht mich, Freunde. Gibt es demnächst auch mit Vibration. Für noch mehr Vollgas beim Solosex, Jungs!

 

Für alle Toys gilt übrigens: Niemals ohne Gleitgel benutzen. Ist einfach nicer und rubbelt nicht so unangenehm am Otto.

Mein Plädoyer für mehr Akzeptanz in Sachen Männer-Spielzeug rührt übrigens nicht nur von meinem ausgeprägten Wunsch nach totaler Gleichberechtigung her. Einer der schnöderen Gründe für dieses Pamphlet ist: Ich finde es heiß. Männer, die die Eier haben, es sich vor meinen Augen mit einem Spielzeug zu besorgen, sind mein feuchter Sextraum. Onanie in meiner Anwesenheit ohne Toy ist auch schon ÜBER NICE, um mal hier ins gesprochene Wort zu verfallen, aber MIT … Respekt!

Warum ich das denke? Nun, aus denselben Gründen, aus denen wir es lieben, Frauen beim Sex mit Spielzeugen zuzuschauen. Diese Verlegenheit zu Beginn, schließlich erfordern die modernen Masturbations-Tools meist ein wenig Gefrickel. Dazu die Scham, sich im Beisein des Partners mit einem Spielzeug zu vergnügen. An dieser Stelle ist der Partner übrigens gefragt: Gebt eurem Spielgefährten das Gefühl, dass euch nichts mehr anmacht als sein Anblick in diesem Moment. Küsst ihn, macht rum, helft ihm mit dem Toy, sorgt für Gleitgel-Nachschub. Und dann … dieser Moment, wenn sich der andere entspannt und anfängt, das, was er da tut, zu genießen. Dieses Loslassen, die Blicke, das geil sein auf sich selbst … muss ich echt noch mehr sagen?

Mach ich auch nicht. Weil ich finde, dass ihr selbst herausfinden solltet, wie viel Spaß es machen kann, dem Partner beim Wichsen zuzuschauen. Und damit meine ich auch: Unseren Männern beim Wichsen zuzuschauen.

Text: (c) Mimi Erhardt vom Erlebnis-Pornografie-Blog „Mimi & Käthe“

Fotos: (c) Melanie Ziggel

Beiträge von „Boutique Bizarre“ werden von unserer Mitarbeiterin Andrea verfasst. Wir beschäftigen bewusst keine externe Redaktion, sondern setzen auf unsere Kompetenz mitten aus dem realen Leben eines großen Erotik-Shops. Wenn wir Produkte empfehlen, tun wir dies aus Überzeugung und mit der Erfahrung vieler Kollegen aus unserem liebsten Haus, mitten auf der Reeperbahn. Wir brennen für das, was wir hier tun und lieben es, wenn wir euch damit damit anstecken dürfen.

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