Lieblingsstellung? 69. Nur nacheinander.

Lieblingsstellung? 69. Nur nacheinander.

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Ich bin eine Frau. Ich kann Multitasking.
Nötigenfalls kann ich diesen Text tippen, dabei auf Facebook chatten, meine frisch lackierten Fußnägel trocknen und mit ein wenig guten Willen gleichzeitig auch noch ein aphrodisierendes Dinner für Zwei zaubern.
All das bekomme ich durchaus hin.

Was ich nicht schaffe, ist,  mit der rechten Hand mein linkes Ohr im Uhrzeigersinn zu massieren, während ich mir mit der Linken auf meine Pobacke klatsche, mit zugehörigem Bein im Dreivierteltakt wippe und dabei frei aus dem Kopf Henry Millers erotisches Lebenswerk rezitiere.

Das will mir einfach nicht gelingen, so sehr ich mich auch über die Jahre bemüht zeigte. Und ich schwöre, ich habe es oft und lange versucht. Immer wieder, immer neu und immer wieder mit vollem Einsatz. Obwohl es mir völlig grotesk erschien, in einem schönen, rattigen Zustand in verwirrende Koordinationszwänge zu kommen.

Ich habe mir alle Mühe gegeben, oben heißzulaufen und dabei unten nicht abzukühlen. Oder unten zu entspannen, und gleichzeitig oben den Rythmus zu halten. Das waren lange, unlustige Studien bei jedem sexuellen Hochleistungssportler, der mitten im schönsten Moment, plötzlich „69“ zur verwegenen Kür neben schnöder Pflicht erhob. Bis ich dieser unsäglichen Zahl endgültig eine Absage erteilte und beschloss, diesen effektivitätsgetriebenen Scheiß einfach ein für alle Mal zu lassen.

Wer immer sich die berüchtigte 69er Stellung und ihren Einsatz in weltweiten Betten ausgedacht hat, muss  Controller, Pornoproduzent und Neurotiker in einer Person gewesen sein. Einer aus dem Zeitmanagement, dessen Zwang nach „los jetzt, alle zusammen und keine Müdigkeit vorschützen, wir haben ja nachher auch noch eine geile Portion Analsex auf dem Programm! Aber erst einmal alle schön eng zusammen rücken und auf das Tempo achten. Leute, das Tempo! Vorne schön konzentriert bis zum Anschlag, hinten fühl Dich frei, hab Spaß dabei.“

Welch Albtraum!

Ich weiß nicht, wie ihr das handhabt, aber ich habe keine Lust mehr auf 69.
Nicht auf Sexsportler und Drill-Sergeants.

Wenn ich blase, blase ich. Aber sowas von.
Wenn ich geleckt werde, werde ich geleckt. Aber sowas von.

Und wenn ich jemals das Bedürfnis hätte, mich gleichzeitig aufzulösen und einen wirklich guten Job zu machen, ginge ich zum Wasserballett. And that would be a really good joke.

Habt eine lustvolle Zeit, dort draußen!
eure Miss Kink

"MISS KINK" - Unter diesem Namen veröffentlicht die Hamburger Autorin Candy Bukowski für die Boutique Bizarre. Sie ist unsere Kolumnistin für Lust- & Fetisch-Themen. Wenn sie Schweres leicht und Leichtes gewichtig präsentiert, liegt dies vermutlich an ihrem nicht auszutreibenden Augenzwinkern. Es empfiehlt sich, sie hier nicht zu ernst, aber auch niemals zu oberflächlich zu nehmen.
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